Begabungsdiagnostik in Berlin: Was eine Potenzialanalyse misst – und warum ein IQ-Wert allein nicht genügt

Wer eine Begabungsdiagnostik sucht, möchte in der Regel eines von zwei Dingen wissen: ob die Tochter hochbegabt ist, also in einem normierten Intelligenztest einen IQ von 130 oder mehr erreicht – oder worin die Begabung des Sohnes tatsächlich besteht, unabhängig von seinen Schulnoten. Beides lässt sich messen. Für die Wahl eines Studiums oder Berufs genügt der IQ-Wert allein jedoch nicht. Er gibt an, wie hoch die geistige Leistungsfähigkeit ist; er gibt nicht an, in welchem Fach sie am besten zur Geltung kommt und ob sie in Leistung umgesetzt wird. Dafür sind drei Angaben nötig: das Fähigkeitsprofil, die Persönlichkeit und die Interessen. Eine Potenzialanalyse erfasst alle drei.

Was der IQ-Wert sagt – und was er nicht sagt

Als intellektuell hochbegabt gilt, wer in einem normierten Intelligenztest einen Wert von 130 oder mehr erreicht; das sind rund zwei Prozent der Altersgruppe (Rost, 2009). Der Wert ist aussagekräftig: Die allgemeine Intelligenz gehört zu den verlässlichsten Prädiktoren des Ausbildungs- und Berufserfolgs – in der Metaanalyse von Schmidt und Hunter (1998) erreicht sie für den Erfolg in der Ausbildung eine Validität von .56 – der höchste Wert aller dort untersuchten Verfahren; kein anderes einzelnes Merkmal sagt den Ausbildungserfolg so gut voraus. Und weil die Teilfähigkeiten eng miteinander zusammenhängen, liegt, wer insgesamt hoch liegt, in aller Regel in allen Bereichen über dem Durchschnitt; Inselbegabungen sind selten.

Was der Gesamtwert nicht zeigt, ist die Neigung innerhalb des Profils: ob die sprachliche oder die mathematische Fähigkeit relativ stärker ausgeprägt ist. Diese Differenz ist von der Höhe des IQ unabhängig – und sie sagt voraus, in welchem Feld jemand studiert und später arbeitet. Bei Studierenden mit mathematischem Übergewicht überwiegen die MINT-Fächer, bei sprachlichem Übergewicht Fächer wie die Rechtswissenschaft (Coyle u. a., 2014; Lubinski & Benbow, 2006). Die Langzeitstudie hochbegabter Jugendlicher von Park, Lubinski und Benbow (2007) zeigt dasselbe über 25 Jahre: Aus dem Fähigkeitsmuster im Alter von 13 Jahren ließ sich vorhersagen, ob jemand später in den Naturwissenschaften oder in den Künsten und Geisteswissenschaften produktiv wurde. Für die Studienwahl ist das Profil deshalb mindestens so wichtig wie der Gesamtwert.

Warum Begabung erst durch Persönlichkeit und Interessen zu Leistung wird

Begabung ist eine Kapazität. Leistung entsteht erst, wenn diese Kapazität über Jahre in ein Gebiet investiert wird. Die Investitionstheorie der Intelligenz beschreibt diesen Vorgang: Interessen bestimmen, worauf sich ein Mensch richtet; Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit und Ausdauer bestimmen, wie beharrlich er dabei bleibt; aus beidem erwächst das Wissen, das eine Laufbahn trägt (Ackerman, 1996).

Deshalb erklärt die Intelligenz allein nur einen Teil der Leistung. Duckworth und Seligman (2005) fanden bei Achtklässlern, dass Selbstdisziplin die Noten am Jahresende deutlich besser vorhersagte als der IQ (r = .67 gegenüber r = .32); sie erklärte mehr als doppelt so viel Varianz. In der Metaanalyse von Poropat (2009) ist Gewissenhaftigkeit das Persönlichkeitsmerkmal mit dem engsten Bezug zur akademischen Leistung – unabhängig von der Intelligenz. Und Studierende, deren Interessen mit dem gewählten Fach übereinstimmen, setzen ihr Studium häufiger fort und erzielen bessere Leistungen (Nye u. a., 2012).

Hochbegabte, deren Leistungen hinter ihrer Begabung zurückbleiben, sind die Kehrseite derselben Regel: Die Kapazität ist vorhanden, sie wird aber nicht eingesetzt – weil das Fach nicht interessiert oder die Ausdauer fehlt. Eine Diagnostik, die nur den IQ erhebt, kann das weder erkennen noch erklären. Eine Diagnostik, die Fähigkeiten, Persönlichkeit und Interessen gemeinsam misst, zeigt, in welchem Fach die Begabung voraussichtlich in Leistung umgesetzt wird.

Wie die Potenzialanalyse misst

Die Potenzialanalyse erfasst die kognitiven Fähigkeiten in ihren Teilbereichen, die Persönlichkeit und die Interessen mit wissenschaftlichen Tests, die an großen Stichproben normiert sind: Jeder Wert wird mit den Werten Gleichaltriger verglichen. Erst dieser Vergleich macht aus einer Punktzahl eine Aussage – ob eine Leistung durchschnittlich, überdurchschnittlich oder herausragend ist. Die kognitiven Fähigkeiten erfasst der Intelligenz-Struktur-Test (I-S-T 2000 R), der sprachliche, rechnerische und figurale Fähigkeiten getrennt misst und an mehreren tausend Personen normiert ist. Was im Einzelnen gemessen wird, beschreibt der Beitrag Was misst eine Potenzialanalyse genau?; warum ein Online-Test keine Diagnostik ersetzt, der Beitrag Vier Gründe für eine echte Diagnostik.

Die Testung dauert vier Stunden, ergänzt um ein biografisches Gespräch. Innerhalb von zehn Tagen folgt ein ausführliches schriftliches Gutachten, das die Ergebnisse einordnet, die Begabungsschwerpunkte benennt und daraus begründete Berufsempfehlungen ableitet. Im Abschlussgespräch wird es gemeinsam erörtert. Das Honorar beträgt 1.400 Euro.

Was das Gutachten sagt – und ab wann

Das Gutachten ordnet die kognitiven Fähigkeiten im Vergleich zu Gleichaltrigen ein; ein Wert von 130 oder mehr wird darin als solcher benannt. Sein Zweck ist jedoch nicht das Etikett, sondern die Passung: Welche Fähigkeiten sind besonders ausgeprägt, mit welchen Interessen und Persönlichkeitsmerkmalen verbinden sie sich, und welchen Berufen entspricht dieses Zusammenspiel? Eine hohe Begabung, die in das falsche Fach führt, bleibt ungenutzt. Eine erkannte Begabung, die in das passende Fach führt, trägt ein Berufsleben lang.

Sinnvoll ist diese Diagnostik ab 15 Jahren. Die kognitiven Fähigkeiten lassen sich früher messen; die beruflichen Interessen gewinnen jedoch vom frühen Jugendalter an deutlich an Stabilität (Low u. a., 2005), und erst dann stellt sich die Frage, auf die das Gutachten antwortet – vor der Wahl der Leistungskurse, vor dem Abitur, vor der Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium. Es gilt für Töchter und Söhne, deren Noten nicht zu dem passen, was Eltern und Lehrkräfte an ihnen wahrnehmen; für solche, die vieles können und deshalb nicht wissen, wofür sie sich entscheiden sollen; und für Eltern, die wissen möchten, worin die Begabung ihrer Tochter oder ihres Sohnes besteht – nicht nur, wie groß sie ist.

Die Analyse findet in meinem Büro am Kurfürstendamm statt. Ich bin Johanna Köpping, Wirtschaftspsychologin – vorgestellt in Forbes und im Tagesspiegel.

Begabung ist eine Anlage. Welche Leistung aus ihr wird, entscheidet sich daran, ob sie in das passende Fach investiert wird – und das lässt sich messen, bevor die Wahl getroffen wird.

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Studienberatung in Berlin gesucht? Warum die Wahl mit einer Messung beginnt