Wer in Berlin nach einer Studienberatung sucht, hat meist eine Tochter oder einen Sohn kurz vor dem Abitur – oder mitten im Zweifel am gewählten Studienfach. Eine Beratung kann helfen. Doch sie beantwortet nur die zweite Frage. Die erste lautet: Welche Fähigkeiten, Interessen und Persönlichkeitsmerkmale zeichnen Ihre Tochter oder Ihren Sohn aus – und welchem Beruf entsprechen sie? Eine Liste möglicher Studiengänge gibt darauf keine Antwort. Wer die eigene Person nur unzureichend kennt, dem nützt auch die beste Beratung zu Studiengängen wenig. Vor der Wahl steht deshalb eine Standortbestimmung. Diese Frage lässt sich nicht beraten. Sie lässt sich messen.
Was Studienberatung leistet – und was sie voraussetzt
Die Allgemeine Studienberatung der Berliner Hochschulen – Humboldt-Universität, Freie Universität, Technische Universität – ist kostenlos und verlässlich. Sie informiert über das Studienangebot der eigenen Hochschule, über Zulassung, Fristen und Fächerkombinationen. Sie setzt jedoch voraus, dass die Richtung bereits erkennbar ist. Wer weiß, dass es in Richtung Naturwissenschaft geht, dem hilft eine Beratung, zwischen Chemie, Biochemie und Pharmazie zu unterscheiden. Wer das nicht weiß, erhält Information – und bleibt mit der eigentlichen Frage allein: Für welchen Beruf bin ich geeignet?
Die Zahl der Möglichkeiten erleichtert die Entscheidung nicht. 422 deutsche Hochschulen bieten im Wintersemester 2025/26 insgesamt 22.426 Studienmöglichkeiten an (HRK-Hochschulkompass). Das Problem der Studienwahl ist nicht der Mangel an Optionen. Es ist ihre Menge.
Woran die Studienwahl scheitert
28 Prozent der Bachelor-Studierenden brechen ihr Studium ab, an Universitäten sind es 35 Prozent (DZHW, 2022). Mehr als jedes vierte Studium endet ohne Abschluss – nach zwei oder drei Jahren, die Zeit, Geld und nicht selten auch Selbstvertrauen gekostet haben.
Die Gründe, die das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung in seinen Abbruchstudien wiederholt ermittelt hat, sind aufschlussreich: Leistungsprobleme und fehlende Studienmotivation stehen an erster Stelle. Beides sind keine Informationsdefizite. Kaum jemand bricht ein Studium ab, weil ihm die Prüfungsordnung unbekannt war. Abgebrochen wird, weil das Fach den eigenen Fähigkeiten nicht entspricht – oder nicht dem, was einen tatsächlich interessiert.
Für Eltern ist dies der Moment, in dem die Frage nach Orientierung dringlich wird: wenn die Tochter nach dem ersten Semester den Vorlesungen fernbleibt, wenn der Sohn zwischen drei Fächern schwankt und sich für keines entscheiden kann, wenn das Abitur näher rückt und die Antwort auf „Und dann?“ weiterhin aussteht. Eine Beratung kann diese Unruhe nicht auflösen. Sie benötigt zunächst eine Grundlage.
Erst messen, dann wählen
Eine psychologische Potenzialanalyse schafft diese Grundlage. Sie erfasst mit wissenschaftlichen Tests, was ein Beratungsgespräch nur erfragen kann: die kognitiven Fähigkeiten, die Persönlichkeit und die Interessen eines jungen Menschen – gemessen an konkreten Aufgaben, nicht geschätzt per Selbstauskunft. Was dabei im Einzelnen erfasst wird, beschreibt der Beitrag Was misst eine Potenzialanalyse genau?; warum ein Online- oder Schultest dies nicht leisten kann, der Beitrag Vier Gründe für eine echte Diagnostik.
In vier Stunden im Büro am Kurfürstendamm – in Ruhe und ohne Prüfungsatmosphäre – werden Fähigkeiten, Persönlichkeit und Interessen mit wissenschaftlichen Tests erfasst, ergänzt um ein biografisches Gespräch. Innerhalb von zehn Tagen folgt ein ausführliches schriftliches Gutachten mit begründeten Berufsempfehlungen, das im Abschlussgespräch gemeinsam besprochen wird. Das Honorar beträgt 1.400 Euro.
Potenzialanalyse oder Studienberatung – was wann hilft
Schritt 1
Potenzialanalyse
- Beantwortet
- Welche Fähigkeiten, Interessen und Persönlichkeitsmerkmale liegen vor – und welche Berufe entsprechen ihnen?
- Grundlage
- Wissenschaftliche Tests – gemessen, nicht geschätzt
- Ergebnis
- Schriftliches Gutachten mit begründeten Berufsempfehlungen
- Zeitpunkt
- Bevor die Richtung entschieden wird
Schritt 2
Studienberatung
- Beantwortet
- Welche Studiengänge führen dorthin – und wie verläuft die Bewerbung?
- Grundlage
- Gespräch, Selbstauskunft, Informationsmaterial
- Ergebnis
- Passende Studiengänge, Hochschule, Bewerbungsweg
- Zeitpunkt
- Wenn die Richtung feststeht
Das Gutachten der Potenzialanalyse enthält bereits klare Berufsempfehlungen, die mit den Fähigkeiten, den Interessen und der Persönlichkeit im Einklang stehen. Eine Studienberatung wird damit zur gezielten Feinabstimmung: Sie klärt, an welcher Hochschule und auf welchem Weg der empfohlene Beruf erreicht wird. Beides hat seinen Platz – in dieser Reihenfolge. Wer mit einem Gutachten in eine Beratung geht, stellt dort andere Fragen: nicht „Was gibt es?“, sondern „Welcher dieser Wege entspricht dem, was wir nun wissen?“. Die Beratung wird präziser, die Entscheidung ruhiger.
Für wen
Die Potenzialanalyse richtet sich an Töchter und Söhne ab 15 Jahren: vor der Wahl der Leistungskurse, vor dem Abitur, in der Zeit zwischen Schule und Studium – und an Studierende, die am gewählten Fach zweifeln und eine neue Richtung suchen. Und sie richtet sich an Eltern, die diese Entscheidung weder dem Zufall noch einem Online-Test überlassen möchten.
Die Analyse findet in meinem Büro am Kurfürstendamm statt. Ich bin Johanna Köpping, Wirtschaftspsychologin – vorgestellt in Forbes und im Tagesspiegel.
Zwei Fragen, die Eltern dazu stellen
Ist die Potenzialanalyse eine Studienberatung?
Nein. Sie informiert nicht über Studiengänge, Hochschulen oder Bewerbungsfristen. Sie klärt, was zuvor geklärt sein muss: welche Fähigkeiten, Interessen und Persönlichkeitsmerkmale Ihre Tochter oder Ihren Sohn auszeichnen und welchem Beruf sie entsprechen. Die Forschung zeigt, wie sehr diese Passung über den Verlauf eines Studiums entscheidet: Studierende, deren Interessen mit dem gewählten Fach übereinstimmen, setzen ihr Studium häufiger fort und erzielen bessere Leistungen (Metaanalyse von 60 Studien mit 15.301 Teilnehmenden; Nye u. a., 2012). Bei übereinstimmenden Interessen schließen auf jedem Leistungsniveau deutlich mehr Studierende ihr Studium in der vorgesehenen Zeit ab (ACT, 2016; 3.860 Studierende). Kognitive Fähigkeiten zählen zu den verlässlichsten Prädiktoren des Ausbildungserfolgs (Schmidt & Hunter, 1998), Gewissenhaftigkeit zu den bedeutsamsten Persönlichkeitsmerkmalen für die Studienleistung (Poropat, 2009). Die Studienwahl ist eine Lebensentscheidung. Ihre Qualität bemisst sich an der Grundlage, auf der sie getroffen wird.
Ist ein Studienwahltest im Internet ausreichend?
Online-Tests beruhen auf Selbsteinschätzung. Erfasst wird das Selbstbild, nicht die Fähigkeit – und Interessen lassen sich nur für Bereiche angeben, die man bereits kennt. Warum dies für eine Entscheidung solcher Tragweite nicht genügt, erläutert der Beitrag Vier Gründe für eine echte Diagnostik.
Wer eine Studienberatung sucht, sucht Sicherheit für eine Entscheidung, die lange trägt. Diese Sicherheit beginnt nicht mit einer Liste von Studiengängen. Sie beginnt bei dem Menschen, der diese Wahl trifft.